{"id":118,"date":"2017-04-05T12:02:46","date_gmt":"2017-04-05T12:02:46","guid":{"rendered":"http:\/\/one-world-workshop-project.info\/?p=118"},"modified":"2017-06-10T17:52:48","modified_gmt":"2017-06-10T17:52:48","slug":"historische-dimension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/one-world-workshop-project.info\/?p=118","title":{"rendered":"Historische Dimension"},"content":{"rendered":"<p>Das Projekt soll eine Schlussfolgerung aus den Ursachen der Schrecken des Nationalsozialismus sein. Ausgehend von der Frage, wie ein fabrikm\u00e4\u00dfiges Morden im kultivierten Deutschland des 20. Jahrhunderts, dem \u201eLand der Dichter und Denker\u201c mit seiner hochentwickelten wissenschaftlich- technischen Elite geschehen konnte, gelangt die Ursachenforschung  unter anderem zu folgender Erkenntnis:<\/p>\n<p>Der sogenannte Biologismus, also die Theorie, den Menschen und das Sozialleben allein aus biologischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten heraus erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, war bereits in der Weimarer Zeit und nicht nur in Deutschland eine f\u00fchrende Wissenschaftstheorie. Der Sozialdarwinismus, abgeleitet von Darwins Evolutionstheorie, hielt es f\u00fcr ein Naturgesetz, dass auch innerhalb der Gesellschaften und V\u00f6lker der St\u00e4rkere siegen m\u00fcsse. Viele durchaus verdiente Wissenschaftler wie beispielsweise Ernst Haeckel, vertraten die Ansicht, dass man zu einer Qualit\u00e4tsbeurteilung der Menschen kommen m\u00fcsse und dann die Fortpflanzung der \u201ewertvollen\u201c f\u00f6rdern und die der \u201eminderwertigen\u201c hemmen m\u00fcsse. Diese Ansicht verband sich mit den damals g\u00e4ngigen Rassenforschungen zu einer Qualit\u00e4tszumessung verschiedener vermeintlich reiner Rassen. <\/p>\n<p>Das Lehrbuch \u201eRassenkunde des Deutschen Volkes\u201c von H.F.K. G\u00fcnther bot Hitler die wissenschaftliche Vorlage f\u00fcr seine Rassenideologie. Mit dem medizinischen Standardwerk \u201eGrundriss der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene\u201c des Genetikers Erwin Baur, des Anthropologen Eugen Fischer und des Mediziners Fritz Lenz fanden die Selektionsma\u00dfnahmen des Dritten Reichs eine scheinbar wissenschaftlich erwiesene Berechtigung.<\/p>\n<p>Auf dem Boden von Weltuntergangsstimmungen und von Gesellschaftskonflikten im Zuge der Industrialisierung, von einem Gef\u00fchl der Dem\u00fctigung nach dem verlorenen ersten Weltkrieg und von dem verbreiteten Antisemitismus wuchs die Popularit\u00e4t dieser Theorie bis in weite Bereiche der Wissenschaften, insbesondere der Medizin. Indem diese auch im B\u00fcrgertum verbreitete Auffassung in den Rang einer vermeintlich objektiven, wissenschaftlich gesicherten Erkenntnis erhoben worden war, galten ethische Einw\u00e4nde als unwissenschaftlich. <\/p>\n<p>Nur auf diesem N\u00e4hrboden war es den Nationalsozialisten m\u00f6glich, ihren Machtanspruch mit dem angeblich h\u00f6chsten Entwicklungsgrad der \u201earischen Rasse\u201c innerhalb der menschlichen Evolution zu begr\u00fcnden und ihre Ma\u00dfnahmen der Selektion und Vernichtung als Erf\u00fcllung von Naturgesetzen darzustellen. Dies erkl\u00e4rt auch, weshalb gro\u00dfe Teile der Intellektuellen sich einer scheinbaren wissenschaftlichen Objektivit\u00e4t verpflichtet f\u00fchlten und menschlich-empathische Aspekte nicht gelten lie\u00dfen und somit als Amts\u00e4rzte, Leiter psychiatrischer Kliniken, Juristen, Lehrer und Techniker in dem R\u00e4derwerk der Vernichtung ihre Rolle einnahmen. Selbst als nach dem zweiten Weltkrieg das ganze Ausma\u00df des Schreckens ans Licht gekommen waren, f\u00fchlten sich die meisten subjektiv unschuldig. <\/p>\n<p>In einem Ablehnungsschreiben auf eine Einladung des Pr\u00e4sidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Otto Hahn schrieb Albert Einstein 1949: \u201eDie Haltung der deutschen Intellektuellen &#8211; als Klasse betrachtet &#8211;  war nicht besser als die des P\u00f6bels. Nicht einmal Reue und ein ehrlicher Wille zeigt sich, das Wenige wieder gut zu machen, was nach dem riesenhaften Morden noch gut zu machen w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p>Am Beginn der fatalen Ursachenkette bis zum Massenmord standen eine missbr\u00e4uchliche Verwendung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und ein Mangel an Empathie f\u00fcr den Menschen mit seinen facettenreichen Besonderheiten. Da dies in Deutschland zu den schlimmsten Auswirkungen f\u00fchrte, ergibt sich aus meiner Sicht folgerichtig die Aufgabe f\u00fcr uns Deutsche, der Erinnerungskultur ein Zukunftsprojekt hinzuzuf\u00fcgen, welches mentalen Verirrungen entgegenwirkt. Den auch in unserer Zeit k\u00f6nnen allein rationale Denkkonzepte nicht verhindern, dass sich nationale Egoismen durchsetzen und ein mangelndes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr soziale, kulturelle und religi\u00f6se Besonderheiten der V\u00f6lker der Welt die Konflikte versch\u00e4rfen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Projekt soll eine Schlussfolgerung aus den Ursachen der Schrecken des Nationalsozialismus sein. Ausgehend von der Frage, wie ein fabrikm\u00e4\u00dfiges Morden im kultivierten Deutschland des 20. 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