{"id":113,"date":"2017-04-04T11:46:27","date_gmt":"2017-04-04T11:46:27","guid":{"rendered":"http:\/\/one-world-workshop-project.info\/?p=113"},"modified":"2017-04-27T09:39:53","modified_gmt":"2017-04-27T09:39:53","slug":"persoenliche-historisch-philosophische-betrachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/one-world-workshop-project.info\/?p=113","title":{"rendered":"Pers\u00f6nliche historisch-philosophische Betrachtung"},"content":{"rendered":"<p>Die beschriebenen mentalen Verirrungen sind aus meiner Sicht nicht zuf\u00e4llig in Deutschland geschehen. Sie sind jedoch kein rein deutsches Ph\u00e4nomen, womit keinesfalls die Verantwortung der Deutschen relativiert werden soll.<\/p>\n<p>Um die Jahrhundertwende vom 18. Zum 19. Jahrhundert hat sich aus der Perspektive des sogenannten Abendlands ein mehrfacher grundlegender Wandel vollzogen. Erstens fand ein Wechsel vom naturphilosophisch ganzheitlichen und religi\u00f6sen Weltbild zum wissenschaftlichen Weltbild statt. Zweitens verloren damit die christlich gepr\u00e4gten Glaubensgrunds\u00e4tze ihren Einfluss auf Ethik und Moralvorstellungen. Drittens wurde ein erster Schritt der Globalisierung der europ\u00e4ischen M\u00e4chte durch Kolonisation getan. Damit begann auch eine Auseinandersetzung mit anderen Kulturen. Viertens hat sich durch die rasante technologische Entwicklung die Macht auf wenige L\u00e4nder in der Welt konzentriert, die untereinander um die Vormachtstellung konkurrierten.<\/p>\n<p>Dieser Wandel dr\u00fcckte sich in der zeitgen\u00f6ssischen Sicht auf menschliche Existenzfragen aus. Das \u201eGottvertrauen\u201c war verloren, es herrschte Angst vor den sozialen Folgen der Industrialisierung. Die  christliche Pr\u00e4gung der allgemeinen moralisch-ethische Konventionen war geschw\u00e4cht. An ihre Stelle traten rationale Betrachtungsweisen. <\/p>\n<p>Als solche war aus Darwins Evolutionstheorie der Sozialdarwinismus abgeleitet worden. Dem entsprechend wurde der Sieg des St\u00e4rkeren \u00fcber den Schwachen als Naturgesetz angesehen. Damit waren die Machtverh\u00e4ltnisse zwischen den Nationen und innerhalb der Gesellschaft scheinbar biologisch legitimiert. Die Herrschaftsmoral, welche die Herrschenden im Mittelalter missbr\u00e4uchlich aus der christlichen Lehre abgeleitet hatten, wurde nun geradezu spiegelbildlich als scheinbar logische Konsequenz aus der Genetik dargestellt. <\/p>\n<p>Diese Sichtweise eignete sich besonders als Bollwerk gegen die im Proletariat  wachsenden sozialistisch-kommunistischen Tendenzen, was auch die Unterst\u00fctzung Hitlers durch die Gro\u00dfindustrie erkl\u00e4rt. Hitler erreichte mit seiner Rassenpropaganda jedoch auch das Kleinb\u00fcrgertum und Teile der Arbeiterschaft, weil auch gesellschaftlich Benachteiligte sich durch seine Theorien als Angeh\u00f6rige der arischen Rasse geadelt f\u00fchlen konnten. Hitlers Schuldprojektion auf die Juden hatte vor allem die Funktion, die gesellschaftliche Brisanz der sozialen Ungerechtigkeiten zu entsch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>In der bisherigen Aufarbeitung der Ursachen f\u00fcr die nationalsozialistischen Verbrechen kommt das Bewusstsein \u00fcber das Versagen der Wissenschaften viel zu kurz. Denn ohne deren weithin wirksamen Fehlinterpretationen der Naturgesetze, der Abstraktion von Empathie zum Mitmenschen und der Anma\u00dfung, die menschliche Existenz allein aus biologischen Gesetzen erkl\u00e4ren und bewerten zu k\u00f6nnen, w\u00e4re das Morden in Deutschland nicht m\u00f6glich gewesen. <\/p>\n<p>Ein Faktor liegt aus meiner Sicht im Selbstverst\u00e4ndnis des Zeitalters selbst begr\u00fcndet. Indem die Wissenschaften die Menschen aus der Sph\u00e4re der Traditionen, Religionen und regionaler Gebundenheiten herausgef\u00fchrt haben, gelten sie in der Wahrnehmung der aufgekl\u00e4rten Menschen gemeinhin als rationales Bollwerk gegen dumpfe Mystik und Irrationalit\u00e4t. Die Lehre aus dem Nationalsozialismus macht aber eine zweite Seite der Medaille deutlich: Wissenschaft kann neben ihren lichtvollen Seiten durch Missbrauch auch in d\u00fcstere Abgr\u00fcnde f\u00fchren. Als James Watson das Geld f\u00fcr das Human-Genom-Projekt vom amerikanischen Senat bewilligt bekam, erwirkte er, dass 5% der Summe f\u00fcr ethische Zwecke zur Verf\u00fcgung gestellt wurden. Denn auch sein Institut hatte in der Vergangenheit H\u00e4ftlinge ohne Einwilligung f\u00fcr Versuche missbraucht. <\/p>\n<p>Wissenschaft und Ethik bleibt ein Spannungsfeld, vom Biologismus, Atomnutzung und Menschenz\u00fcchtung bis in weite Zukunft. Aus den historischen Erfahrungen heraus bin ich der \u00dcberzeugung, dass die Wissenschaft allein nicht geeignet ist, Seins-Fragen der Menschheit zu kl\u00e4ren. Nur die Menschen in der Gesamtheit ihrer Facetten, also als Wesen mit Verstand, Empathie, Kreativit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t k\u00f6nnen in der Lage sein, die Entwicklung der Welt zu steuern. Und in einer global verflochtenen Welt kann dies nur als globales Gemeinschaftswerk gl\u00fccken. Nat\u00fcrlich ist die Wissenschaft dabei ein ganz wichtiges Instrument. Das Grund\u00fcbel des Nationalsozialismus aber, die Trennung und Selektion innerhalb des Menschlichen, muss jedoch \u00fcberwunden werden. <\/p>\n<p>Es ist nun an der Zeit, die Gegens\u00e4tze in der Welt synergistisch zu einem Ausgleich zu bringen und an einer allseits akzeptierbaren Ethik zu arbeiten. Hierbei m\u00fcssen sich alle unterschiedlichen Kulturen, mentale Besonderheiten und regionale Interessenslagen mitgenommen f\u00fchlen. <\/p>\n<p>One-world-workshop-project k\u00f6nne ein Baustein hierf\u00fcr sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beschriebenen mentalen Verirrungen sind aus meiner Sicht nicht zuf\u00e4llig in Deutschland geschehen. Sie sind jedoch kein rein deutsches Ph\u00e4nomen, womit keinesfalls die Verantwortung der Deutschen relativiert werden soll. 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